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Ganz viele Menschen machen ihr Kreuz bei den Parteien mit ambitioniertem Klima-Programm – und die neue Bundesregierung packt endlich an beim Klimaschutz! Doch damit das gelingt, müssen sich genügend Wähler*innen die Bedeutung der Bundestagswahl fürs Klima bewusst machen. Wir alle können dabei ganz einfach mithelfen: Mit persönlichen Gesprächen! Ob am Gartenzaun, am Kaffeetisch oder beim gemeinsamen Spaziergang – sprechen auch Sie vor der Wahl mit Freund*innen, Bekannten und Ihrer Familie über Klimaschutz und die anstehende Wahl. Sie brauchen dazu kein Expert*innenwissen: Erzählen Sie einfach aufrichtig, warum Ihnen Klimaschutz bei dieser Wahl wichtig ist.

Wie Sie am besten ein Gespräch beginnen und wie Sie mit guten Argumenten auf Klima-Vorurteile reagieren können, erfahren Sie auf dieser Seite. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass Klimaschutz die Wahl gewinnt.

Klimawahlgespräche – So klappt´s!

Grundsätzlich kann man mit fast allen Menschen reden. Aber es gibt mehr oder weniger gute Startbedingungen. Die Grundregel lautet: Sprechen Sie Bekannte an. Bauen Sie auf vorhandenen, positiven Beziehungen auf.

Ob im Freundeskreis oder in der Familie – oft machen wir einen Bogen um politische Themen, wenn wir glauben, dass unser Gegenüber eine andere Meinung vertritt. Wir wollen die Beziehung nicht belasten. Das ist nachvollziehbar, aber damit verschenken wir die besten Gelegenheiten. Einstellungsänderungen sind nämlich am ehesten dort möglich, wo ein Dialog auf einer vorhandenen, positiven Beziehung aufbaut. In diesem Rahmen wird die sonst neutrale Information automatisch in eine persönlich bedeutsame Nachricht verwandelt.

Beziehungen sind idealerweise

» frei von anderen (auch unterschwelligen) Konflikten

» stabil

» zugewandt bzw. von der Bereitschaft getragen, einander etwas zu geben

Ein Beispiel: Die Kampagne #WirStimmenZusammen
versucht Jugendliche zu motivieren, mit ihren Großeltern
zur Klimawahl 2021 ins Gespräch zu kommen. Die Enkel-
Großeltern-Beziehung ist meist relativ konfliktfrei (im
Vergleich zur Eltern-Kind-Beziehung), stabil und oft von einer starken Bereitschaft geprägt, den Enkeln etwas für ihre Zukunft mitzugeben, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.

Wo tragfähige Beziehungen in Ihrem Umfeld sind, wissen Sie selbst am besten. In der Familie, auf der Arbeit, in der Nachbarschaft, im Verein, im Freundeskreis, der Gemeinde - wobei der Idealfall in den seltensten Fällen gegeben ist. Aber auch bei schwierigen Beziehungen können wir über das Klima sprechen. Fangen Sie am besten bei einer erfolgsversprechenden Gelegenheit an. Machen Sie sich auf die Suche.

Die wichtigste Regel zuerst: Es kann auch schief gehen. Ein echter Dialog ist immer ergebnisoffen. Alle Beteiligten haben die Freiheit, bei ihrer Meinung zu bleiben – auch wenn sie uns unvernünftig erscheint. Machen Sie sich also keine Vorwürfe, wenn es mit der Überzeugungsarbeit nicht klappen sollte. Das liegt in der Natur der Sache.

Niemand lässt sich gerne zutexten. Es heißt also: Fragen, zuhören und verstehen.
Geben Sie Ihrem Gegenüber die Gelegenheit, von sich zu erzählen und die eigene Sicht der Dinge
zu schildern. Stellen Sie Fragen. Das signalisiert, dass Sie an der Meinung Ihres Gegenübers wirklich interessiert sind – und nicht nur belehren oder überreden möchten. Wenn Sie nicht sicher sind, ob Sie etwas richtig verstanden haben, fragen Sie nach oder fassen Sie mit eigenen Worten zusammen, was Sie verstanden haben.

Achten Sie auch darauf, Ihr Gegenüber ausreden zu lassen. Wer oft unterbrochen wird und nicht sagen kann, was er oder sie möchte, ärgert sich und steigt innerlich aus dem Gespräch aus. Ein gutes Hilfsmittel ist, die jeweilige Redezeit im Blick zu haben.

In jedem Gespräch lassen sich Gemeinsamkeiten finden. Es lohnt sich, diese Gemeinsamkeiten auch zu benennen. Das schafft eine gute Atmosphäre für die weitere (kontroverse) Diskussion.

Reden Sie nicht nur über Fakten, sondern auch über persönliche Gefühle wie Ängste oder Hoffnungen, bisherige Erfolgsmomente und Wünsche oder Träume für die Zukunft. Sprechen Sie von sich und Ihrer Motivation! Am besten grenzen Sie (für sich und für Ihr Gegenüber) die beiden Bereiche dabei nachvollziehbar voneinander ab: Welche Fakten zum Klima liegen vor – und was macht das mit mir als Mensch?

Werte gehören zum Kern einer Person, sie lassen sich nicht so leicht ändern. Respektieren Sie andere Werte, Überzeugungen und Bedürfnisse und vermeiden Sie Schuldzuweisungen oder das Abwerten anderer Positionen. Wenn wir moralisch belehrt oder uns Vorwürfe gemacht werden, neigen wir dazu, unsere Überzeugungen noch stärker zu verteidigen – und hören der anderen Person möglicherweise nicht mehr wirklich zu.

Denken Sie sich in Ihr Gegenüber hinein. Wechseln Sie die Perspektive. So finden Sie leichter das Argumente, das speziell für Ihr jeweiliges Gegenüber überzeugend ist. Auch wenn man selbst nicht gläubig ist, kann man einen religiösen Menschen auf die Bewahrung der Schöpfung verweisen - oder explizit auf Papst Franziskus und seine Enzyklika Laudato Si zum Klimaschutz.

Begründen Sie Ihren Standpunkt mit Belegen und konkreten Beispielen. Dabei sollte jede Meinungsäußerung eine Einladung sein, diese Meinung mit Ihnen zu teilen. Ein privates Gespräch ist keine Fernsehdiskussion oder ein Wettkampf, bei dem es Gewinner:innen und Verlierer:innen gibt. Sie haben Ihr Gegenüber noch lange nicht überzeugt, wenn Sie ihn/sie an die Wand geredet haben.

Machen Sie auf faktische Fehler aufmerksam und üben Sie Kritik etwa bei Verallgemeinerungen – aber gezielt, sachlich und sparsam. Nicht jeder kleine Irrtum ist es wert, ein „Fass aufzumachen“ und damit die Gesprächsatmosphäre zu beschädigen. Auch Wohlwollen beruht auf Gegenseitigkeit.

Diese Regeln gelten für beide Seiten, aber Sie können nicht davon ausgehen, dass Ihr Gegenüber diese Gesprächsregeln kennt. Sie sollten also nachsichtig sein, wenn sich jemand nicht daran hält. Schließlich wollen Sie dieses Gespräch führen.

Grundsätzlich kann man überall reden. Aber auch hier gibt es mehr oder weniger gute Startbedingungen. Am besten ist die Situation

» freiwillig

»  frei von Zeitdruck

»  stabil bzw. nicht „im Vorbeigehen“

»  allgemein angenehm

Bei einem verabredeten Waldspaziergang lässt es
sich besser reden als in der eh schon viel zu kurzen Mittagspause in einer lauten Betriebskantine. Aber auch hier müssen nicht alle Bedingungen erfüllt sein, um einen Versuch zu starten. Letztlich ist jeder Mensch und damit auch jede Beziehung anders.
Am Ende hängt es also von der speziellen Beziehung ab, welches Setting das Beste ist.

Ein Tipp noch zur Gesprächssteuerung: Sie können direkt oder indirekt auf das Thema kommen. Manchmal ist es gut, die Dinge direkt anzusprechen: „Was wählst du eigentlich?“ Manchmal ist es besser, wenn das Gespräch wie von selbst auf das Thema kommt. Sie können dafür Punkte ansprechen, durch die sich eine Überleitung wie von selbst ergibt. Also etwa über das Wetter zu Trockenheit und Hitze hierzulande kommen, über die Hitzerekorde in Kanada oder die Überschwemmungen vor der Haustür zur Klimakrise bis hin zur Bundestagswahl. Im Idealfall werden dann sogar Sie gefragt, was Sie wählen.

Und zu guter Letzt: Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn es mit der Überzeugungsarbeit nicht gleich funktioniert. Suchen Sie sich ein neues Gegenüber oder machen Sie zu einem anderen Zeitpunkt einen zweiten Anlauf. Bei ergebnisoffenen Prozessen wie diesem brauchen wir alle eine gehörige Portion Frustrationstoleranz: Es kann zehnmal schief gehen, aber nur so kann es beim elften Mal klappen.

Viel Erfolg wünscht #WirStimmenZusammen

Ausreden – und wie Sie damit umgehen können

... aber nur, wenn wir jetzt etwas dagegen tun. Darum geht es ja! Viele Leute glauben allerdings, so wie heute wird es im Prinzip bleiben – die altbekannte „normative Kraft des Faktischen“. Dass diese Vorstellung naiv ist, sollten vor allem die Älteren unter uns wissen: Vor 50 Jahren sah die Welt schließlich ganz anders aus. Wieso sollte sie in 50 Jahren nicht noch einmal ganz anders sein? Nur in welche Richtung, das entscheiden wir bereits jetzt. Und die ersten Vorboten einer weltweiten Katastrophe finden mittlerweile auch bei uns statt.

https://projekte.sueddeutsche.de/artikel/wissen/klimawandel-wie-das-wetter-zur-klimakrise-wird-e460552/?reduced=true

Seit den Hochwasserkatastrophen diesen Sommer sollte sich so ein Spruch eigentlich erledigt haben. Aber zur Sicherheit nochmal weitere Aspekte, die schon jetzt „uns“ betreffen: die steigende Zahl der Hitzetoten besonders unter älteren Menschen, das Verkümmern der Ernte durch zunehmende Trockenheit, das Absterben der geschwächten Wälder durch Borkenkäferplagen ... und Tornados in Tschechien und die verheerenden Waldbrände in Griechenland sind nicht wirklich weit weg.

https://projekte.sueddeutsche.de/artikel/wissen/wie-starkregen-klimawandel-hochwasser-zusammenhaengen-e327797/?reduced=true

https://klimakommunikation.klimafakten.de/showtime/kapitel-8-mach-den-klimawandel-konkret/

Es geht aber um den weltweiten Durchschnitt der Temperaturen – und der ist seit Mitte des letzten Jahrhunderts immer weiter gestiegen. Natürlich kann es trotzdem neue Kälterekorde geben - allerdings wird es durch den Einfluss der fortschreitenden globalen Erhitzung immer seltener dazu kommen.

https://www.klimafakten.de/behauptungen/behauptung-der-letzte-winter-war-echt-kalt-das-passt-doch-nicht-zur-theorie-vom 

https://www.klimafakten.de/behauptungen/behauptung-der-zusammenhang-von-extremwettern-und-klimawandel-ist-nicht-eindeutig

Manchmal steckt hinter diesem Satz das Gefühl, dass die Entscheidungen der Vergangenheit in Frage gestellt würden, wenn man jetzt anders wählt. Dass man vielleicht sogar jahrelang das Falsche gewählt hat. Da macht man lieber weiter wie bisher ... manchmal sogar trotz besserem Wissen.

Machen Sie deutlich, dass es Ihnen nicht um die Vergangenheit geht. Es geht um diese Wahl. Um die Gegenwart – und vor allem um unsere Zukunft.

Ja, aber nicht genug. Und häufig genug folgen den Worten keine Taten. Wirklich aktiv werden die derzeit regierenden Parteien erst, wenn sie dazu gezwungen werden – wie durch das Urteil des Verfassungsgerichts im April. Und auch da bestanden die beschlossenen „Sofortmaßnahmen“ lediglich aus Vorhaben für nach der Wahl. Die bisherige Politik legt also die Vermutung nahe, dass diese Parteien alle Versprechen vergessen, die sie derzeit im Hinblick auf Klimaschutz machen. Und für noch mehr „heiße Luft“ fehlt uns die Zeit ...

https://germanwatch.org/de/verfassungsbeschwerde 

https://www.klimareporter.de/deutschland/lippenbekenntnisse-der-ernst-der-lage-und-das-versprechen-von-windkraftverhinderern

Es ist die Aufgabe einer Regierung, Gesetze zu machen. Das ist ihr Job. Also bestimmte Dinge zu erlauben und andere zu verbieten. Letzteres vor allem, wenn diese Dinge der Allgemeinheit schaden - und eine Klimakrise schadet nun mal der Allgemeinheit. Wenn also eine Partei alles erlauben will, lügt sie entweder ... oder sie will Geld mit Nichtstun verdienen.

Ganz im Gegenteil: Das Festhalten an bestehenden Produktionsweisen ist die Gefahr – und bietet gerade keine Sicherheit. Nur ökologisches und soziales Wirtschaften kann den gesellschaftlichen Wohlstand sichern. Einige der größten Firmen weltweit sind da bereits viel weiter als unsere Politik. Gerade weil die Weichen nicht anders gestellt werden, wird hier der technologische Anschluss verschlafen. Derzeit werden für wenige Arbeitsplätze in den „alten“ Industrien wesentlich mehr in den zukunftsweisenden geopfert – egal ob im Bereich Energie oder Mobilität.

https://www.publik-forum.de/Publik-Forum-15-2021/nur-die-energiewende-kann-uns-retten

Sicher, klimaschädliches Verhalten wird teurer werden. Mehr oder weniger steht das sogar bei den derzeitigen Regierungsparteien im Programm. Aber selbst für wesentlich konsequentere Klimaschutzmaßnahmen gibt es gut ausgearbeitete Konzepte, wie diese sozial auszugleichen sind. Diese werden in den Medien jedoch häufig nicht erwähnt, weil sie die großen Schlagzeilen gleich wieder kleiner machen - und Medien brauchen nun mal Aufregung.

Apropos Aufregung: Es ist doch merkwürdig, dass Parteien, die sich sonst wenig um die ärmeren Schichten kümmern, immer dann ihr Herz für diese entdecken, wenn es um Klimaschutzmaßnahmen geht.

https://www.klimafakten.de/meldung/studie-viele-menschen-verstehen-die-co2-bepreisung-nicht-aber-dies-laesst-sich-aendern

https://www.klimareporter.de/deutschland/keine-co2-steuer-sondern-eine-klima-dividende

Das weiß man erst, wenn man den anderen auch eine Chance gibt - und bei genauerem Hinsehen entdeckt man schon Unterschiede: in den Wahlprogrammen, im medialen Auftreten, vor allem auch im Handeln. Aber wenn Ihr Gegenüber wirklich dieser Meinung ist, kann er bzw. sie Ihnen doch problemlos einen kleinen Gefallen tun und in Ihrem Sinne stimmen: Für Ihr Gegenüber macht es ja keinen Unterschied.

https://klimawahlcheck.org/

Ja – nämlich über 98 % der Wissenschaftler:innen weltweit, die die Erderwärmung als menschengemacht ansehen. Und ein Großteil davon fordert von der Politik ein schnelleres und entschlosseneres Handeln. 

https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/neue-analyse-zeigt-risiken-der-erderhitzung-fuer

https://www.klimafakten.de/behauptungen/behauptung-es-gibt-noch-keinen-wissenschaftlichen-konsens-zum-klimawandel

Ein ganze Menge - Klimaschutz und gute Klimapolitik können sich nicht nur positiv auf das Klima auswirken und einen abgesoffenen Keller verhindern, sondern z.B. auch die Qualität der Luft verbessern oder Krankheiten gar nicht erst entstehen lassen. Und auf die nächste Pandemie freut sich sicherlich kaum einer ...